Turbolader und Ladeluftsystem eines Dieselmotors bei Leistungsverlust und Ladedruckproblem

Turbolader defekt oder Ladedruckproblem? Symptome beim Diesel richtig erkennen

by Sezgin altınöz on August 28, 2026 Categories: Injector Hero

Turbolader defekt oder Ladedruckproblem? Symptome beim Diesel richtig erkennen

Ein Diesel verliert plötzlich Leistung, beschleunigt nur noch zögerlich oder geht bei höherer Last in den Notlauf. Gleichzeitig kann schwarzer Rauch entstehen oder ein ungewöhnliches Pfeifen aus dem Motorraum hörbar werden.

Die erste Vermutung lautet dann häufig:

„Der Turbolader ist defekt.“

Doch genau diese Schlussfolgerung ist oft zu schnell.

Der Turbolader kann technisch vollkommen funktionsfähig sein, während der benötigte Ladedruck durch einen gerissenen Schlauch, einen undichten Intercooler, einen fehlerhaften Aktuator oder ein Problem im Ansaug- oder Abgassystem verloren geht.

Auch EGR, DPF und Diesel-Injektoren können Symptome hervorrufen, die einem Turboschaden sehr ähnlich sehen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Ist der Turbo kaputt?

Sondern:

Warum erreicht der Motor den erwarteten Ladedruck oder die benötigte Luftmenge nicht?

In Teil 1 unserer neuen Turbo- und Ladedruck-Serie zeigen wir, welche Symptome auf ein Problem im Turbosystem hinweisen und wie sich ein tatsächlicher Turboschaden von anderen Fehlern unterscheiden lässt.

Kurzantwort: Welche Symptome hat ein defekter Turbolader?

Ein defekter Turbolader kann sich durch Leistungsverlust, schlechte Beschleunigung, schwarzen Rauch, ungewöhnliches Pfeifen oder Heulen, erhöhten Ölverbrauch, Motorkontrollleuchte und Notlauf bemerkbar machen. Diese Symptome können jedoch auch durch undichte Ladeluftschläuche, einen beschädigten Intercooler, den Turbo-Aktuator, EGR, DPF oder Injektoren entstehen. Deshalb sollte vor dem Turbotausch das komplette Ladedrucksystem geprüft werden.

Typische Anzeichen eines Turbo- oder Ladedruckproblems beim Dieselmotor sind:

  • deutlicher Leistungsverlust;
  • schlechte Beschleunigung;
  • verzögerte Gasannahme;
  • fehlende Leistung unter Last;
  • schwarzer Rauch beim Beschleunigen;
  • ungewöhnliches Pfeifen oder Heulen;
  • schwankender Ladedruck;
  • erhöhter Ölverbrauch;
  • Öl im Ladeluftsystem;
  • Motorkontrollleuchte;
  • Notlauf;
  • plötzlich fehlende Leistung bei höherer Drehzahl.

Diese Symptome bedeuten jedoch nicht automatisch, dass der Turbolader selbst defekt ist.

Auch Ladeluftschläuche, Intercooler, Aktuator, Luftmassenmesser, EGR, DPF oder Injektoren müssen in die Diagnose einbezogen werden.

Turbo defekt oder Ladedruckproblem? Symptome richtig unterscheiden

Diagramm zum Unterschied zwischen defektem Turbolader und Ladedruckproblem bei einem Dieselmotor

Technische Infografik zur Unterscheidung zwischen einem mechanisch defekten Turbolader und einem Problem im Ladedrucksystem. Das Diagramm zeigt gemeinsame Symptome wie Leistungsverlust, schwarzen Rauch, Notlauf, Pfeifgeräusche und zu niedrigen Ladedruck sowie mögliche Ursachen an Turbolader, Ladeluftschläuchen, Intercooler, Aktuator und Sensoren. Zusätzlich werden EGR, DPF, Injektoren sowie SCR/NOx/AdBlue als verbundene Systeme in die Diagnose einbezogen.


Turbo kaputt oder nur Ladedruck verloren?

Diese Unterscheidung ist für die Diagnose besonders wichtig.

Der Turbolader erzeugt Druck.

Doch dieser Druck muss anschließend über mehrere Komponenten bis zum Motor gelangen.

Der Luftweg sieht vereinfacht so aus:

Luftfilter → Turbolader → Ladeluftleitung → Intercooler → Ladeluftleitung → Ansaugkrümmer → Motor

Entsteht irgendwo auf diesem Weg ein Leck, kann der Turbolader arbeiten, ohne dass der Motor die erwartete Luftmenge erhält.

Ein einfaches Beispiel:

Turbolader erzeugt Druck

Ladeluftschlauch ist gerissen

Druck entweicht

Motor bekommt zu wenig Luft

Leistungsverlust

ECU erkennt Ladedruckabweichung

Der Fahrer spürt ein Turboproblem.

Der Turbo selbst kann aber völlig intakt sein.

1. Der Diesel zieht nicht mehr richtig

Ein klassisches Anzeichen eines Ladedruckproblems ist ein spürbarer Verlust an Motorleistung.

Besonders auffällig wird das:

  • beim Überholen;
  • auf der Autobahn;
  • an Steigungen;
  • bei hoher Zuladung;
  • beim starken Beschleunigen;
  • bei höherem Drehmomentbedarf.

Der Motor läuft eventuell ruhig und startet problemlos, entwickelt aber unter Last nicht mehr die gewohnte Kraft.

Hier beginnt die Fehlersuche.

Zu prüfen sind unter anderem:

  • Ladedruck Sollwert;
  • Ladedruck Istwert;
  • Luftmasse;
  • Turbo-Aktuator;
  • Ladeluftstrecke;
  • EGR-Regelung.

Denn auch ein fehlerhaft arbeitendes EGR-Ventil kann Leistungsverlust, schwarzen Rauch und Notlauf verursachen.

Das Fahrgefühl allein reicht daher nicht aus, um Turbo und EGR voneinander zu unterscheiden.

2. Leistung fehlt hauptsächlich bei hoher Motorlast

Ein sehr hilfreiches Diagnosemerkmal ist die Frage:

Wann tritt der Leistungsverlust auf?

Wenn der Motor:

  • im Leerlauf sauber läuft;
  • im Stadtverkehr unauffällig fährt;
  • bei geringer Last normal reagiert;

aber bei starker Beschleunigung plötzlich Leistung verliert, sollte die Ladeluftstrecke besonders genau überprüft werden.

Warum?

Ein kleiner Riss in einem Ladeluftschlauch kann bei niedrigem Druck nahezu geschlossen bleiben.

Steigt der Ladedruck:

Druck steigt → Riss öffnet sich → Luft entweicht → Leistung fällt ab

Dasselbe kann bei einer schwachen Steckverbindung oder einem beschädigten Intercooler passieren.

Deshalb sollte ein Fahrzeug mit Leistungsverlust unter Last nicht sofort einen neuen Turbolader bekommen.

3. Schwarzer Rauch beim Gasgeben

Schwarzer Rauch zeigt bei Dieselmotoren häufig eine unvollständige Verbrennung beziehungsweise eine ungünstige Kombination aus Luft und Kraftstoff.

Wenn der Motor unter Last zu wenig Luft erhält, kann mehr Ruß entstehen.

Ein möglicher Ablauf:

Ladedruck zu niedrig

zu wenig Frischluft

Verbrennung verschlechtert sich

Rußbildung steigt

schwarzer Rauch

Eine Undichtigkeit zwischen Turbo und Motor kann diesen Effekt verursachen.

Doch auch Einspritzprobleme kommen infrage.

Ein verschlissener oder fehlerhaft arbeitender Injektor kann:

  • zu viel Kraftstoff einspritzen;
  • schlecht zerstäuben;
  • nachtropfen;
  • eine ungleichmäßige Verbrennung verursachen.

Deshalb sollten bei schwarzem Rauch neben der Luftseite auch die Diesel-Injektoren und ihre typischen Fehlersymptome berücksichtigt werden.

Besonders wenn zusätzlich unruhiger Leerlauf, Startprobleme oder Motorruckeln auftreten, sollte die Einspritzung geprüft werden.

4. Turbo pfeift plötzlich deutlich lauter

Ein Turbolader darf Geräusche machen.

Seine Welle dreht mit sehr hoher Geschwindigkeit, sodass ein leichtes Turbogeräusch konstruktionsbedingt normal sein kann.

Problematisch wird es, wenn sich das Geräusch deutlich verändert.

Zum Beispiel:

  • plötzlich sehr lautes Pfeifen;
  • starkes Zischen;
  • sirenenartiges Heulen;
  • metallisches Schleifen;
  • Geräusch nur bei starkem Beschleunigen.

Hier muss zwischen Luftgeräusch und mechanischem Geräusch unterschieden werden.

Zischen oder Pfeifen

Kann beispielsweise entstehen durch:

  • gerissenen Ladeluftschlauch;
  • lose Schelle;
  • undichte Steckverbindung;
  • beschädigten Intercooler.

Heulen oder Schleifen

Kann stärker auf mechanische Probleme hinweisen:

  • Lager verschlissen;
  • erhöhtes Axialspiel;
  • erhöhtes Radialspiel;
  • Verdichterrad beschädigt;
  • Kontakt zwischen Rad und Gehäuse.

Die Geräuschart liefert also einen wichtigen Hinweis, ersetzt aber keine technische Prüfung.

5. Notlauf bei Autobahnfahrt oder starker Beschleunigung

Ein weiteres typisches Szenario:

Das Fahrzeug fährt zunächst vollkommen normal.

Dann folgt eine längere Steigung oder starke Beschleunigung.

Plötzlich fällt die Leistung deutlich ab.

Das Fahrzeug:

  • beschleunigt kaum noch;
  • erreicht eventuell keine hohe Drehzahl;
  • zeigt eine Motorkontrollleuchte;
  • reagiert schwächer auf das Gaspedal.

Das Motorsteuergerät hat möglicherweise den Notlauf aktiviert.

Der Grund kann eine zu große Abweichung zwischen:

Ladedruck Soll

und

Ladedruck Ist

sein.

Die ECU erkennt, dass die Motorregelung nicht mehr innerhalb der vorgesehenen Grenzen arbeitet, und reduziert vorsorglich die Leistung.

Warum funktioniert das Auto nach einem Neustart manchmal wieder?

Ein Neustart kann den Notlauf bei bestimmten Fehlern vorübergehend zurücksetzen.

Der Fahrer schaltet den Motor aus.

Startet erneut.

Die Leistung ist wieder vorhanden.

Bei hoher Last tritt derselbe Fehler erneut auf.

Notlauf wird erneut aktiviert.

Dieses Verhalten ist beispielsweise möglich bei:

  • klemmender Turboverstellung;
  • Aktuatorproblemen;
  • sporadischen Sensorfehlern;
  • Unterdruckproblemen;
  • Ladedruckabweichungen.

Wichtig:

Ein Neustart behebt nicht die Ursache.

Er kann lediglich die Schutzstrategie vorübergehend zurücksetzen.

6. Motor läuft normal, aber der Turbo scheint „nicht einzusetzen“

Viele Fahrer beschreiben ein Ladedruckproblem mit dem Satz:

„Der Turbo kommt nicht mehr.“

Bei modernen Dieselmotoren wird der Turbo jedoch nicht einfach ein- oder ausgeschaltet.

Das Motorsteuergerät regelt den Ladedruck abhängig von:

  • Drehzahl;
  • Motorlast;
  • Luftmasse;
  • Gaspedalstellung;
  • Abgasstrom;
  • Betriebszustand.

Wenn sich das Fahrzeug plötzlich sehr träge anfühlt, kann beispielsweise die Turboverstellung nicht korrekt arbeiten.

Mögliche Ursachen:

  • elektronischer Aktuator;
  • pneumatische Unterdruckdose;
  • Magnetventil;
  • variable Turbinengeometrie;
  • Wastegate-Steuerung.

Der Turbo kann mechanisch gesund sein und trotzdem nicht den richtigen Ladedruck erzeugen, wenn seine Regelung nicht funktioniert.

Das behandeln wir ausführlich in Teil 3 – Turbo-Aktuator defekt: Symptome und Diagnose.

7. Öl im Ladeluftschlauch oder Intercooler

Öl im Ladeluftsystem sorgt häufig sofort für den Verdacht auf einen Turboschaden.

Doch auch hier gilt:

Eine geringe Menge Öl bedeutet nicht automatisch Turbo defekt.

Ölnebel aus der Kurbelgehäuseentlüftung kann über längere Zeit in den Ansaugweg gelangen.

Deshalb kann sich ein leichter Ölfilm befinden in:

  • Ladeluftschläuchen;
  • Ansaugrohren;
  • Intercooler;
  • Ansaugkrümmer.

Verdächtiger wird es, wenn gleichzeitig:

  • Ölverbrauch deutlich steigt;
  • größere Ölmengen vorhanden sind;
  • Rauchentwicklung zunimmt;
  • Turbo ungewöhnliche Geräusche macht;
  • Leistung stark abfällt.

Dann sollten Turbolader, Ölversorgung und Kurbelgehäuseentlüftung gemeinsam überprüft werden.

Dieses Thema behandeln wir separat in Teil 4 unserer Turbo-Serie.

8. Motorkontrollleuchte heißt nicht automatisch Turboschaden

Die Motorkontrollleuchte sagt nicht:

„Turbolader ersetzen.“

Sie bedeutet lediglich, dass das Motorsteuergerät einen Fehler erkannt hat.

Bei modernen Dieselmotoren können sehr unterschiedliche Systeme dieselbe Warnleuchte aktivieren:

  • Ladedrucksystem;
  • EGR;
  • DPF;
  • Injektoren;
  • Luftmassenmesser;
  • MAP-Sensor;
  • NOx-Sensor;
  • SCR/AdBlue.

Beispielsweise gehört der NOx-Sensor zum überwachten Abgasnachbehandlungssystem moderner Dieselfahrzeuge und arbeitet zusammen mit der SCR-Regelung.

Auch deshalb sollte zuerst der komplette Fehlerspeicher ausgelesen werden.

9. P0299 – niedriger Ladedruck bedeutet nicht automatisch kaputter Turbo

Ein besonders wichtiger Fehlercode im Zusammenhang mit Turboproblemen ist P0299.

Vereinfacht bedeutet dieser Fehler:

Der erwartete Ladedruck wird nicht erreicht.

Doch P0299 beantwortet zunächst nur die Frage:

Was stimmt nicht?

Nicht:

Welches Bauteil ist kaputt?

Der Fehler kann beispielsweise entstehen durch:

  • Ladeluftleck;
  • Intercooler-Schaden;
  • fehlerhaften Aktuator;
  • Unterdruckproblem;
  • falsche Sensordaten;
  • blockierte Turboverstellung;
  • Abgasproblem;
  • tatsächlichen Turboschaden.

Deshalb bekommt P0299 einen eigenen Artikel.

Nächster Teil unserer Serie:

Ladedruck zu niedrig: P0299, Leistungsverlust und mögliche Ursachen

Dort analysieren wir die Fehlersuche Schritt für Schritt.

Turbo oder DPF – welcher Fehler verursacht den Leistungsverlust?

Ein stark belasteter Dieselpartikelfilter kann Motorleistung deutlich beeinflussen.

Der DPF liegt im Abgasstrom.

Steigt der Abgasgegendruck stark an, verändern sich die Bedingungen, unter denen Motor und Turbolader arbeiten.

Typische DPF-Symptome können sein:

  • Leistungsverlust;
  • häufige Regeneration;
  • erhöhter Verbrauch;
  • Motorkontrollleuchte;
  • Notlauf.

Das überschneidet sich stark mit Turbosymptomen.

Wer bereits Hinweise auf häufige Regenerationen oder hohe DPF-Beladung hat, sollte deshalb zusätzlich die Ursachen und Symptome eines verstopften Dieselpartikelfilters prüfen.

Ein Turbolader sollte nicht ersetzt werden, wenn der eigentliche Leistungsengpass im Abgasweg liegt.

Turbo oder EGR – zwei Systeme auf derselben Luftseite

EGR und Turbo beeinflussen beide die Luftmenge im Motor.

Ein fehlerhaft geöffnetes EGR-Ventil kann dazu führen, dass zu viel Abgas und zu wenig Frischluft in den Motor gelangt.

Mögliche Folgen:

  • schlechte Gasannahme;
  • Leistungsverlust;
  • schwarzer Rauch;
  • Notlauf;
  • unplausible Luftmassenwerte.

Diese Symptome ähneln einem Ladedruckproblem.

Darum sollte man bei der Diagnose mehrere Live-Werte vergleichen:

EGR Soll / Ist

Luftmasse Soll / Ist

Ladedruck Soll / Ist

Ein einzelner Fehlercode reicht häufig nicht aus.

Turbo und Injektoren – warum die Verbrennung entscheidend ist

Der Turbo steuert die Luftseite.

Die Injektoren steuern die Kraftstoffseite.

Für eine saubere Verbrennung müssen beide korrekt arbeiten.

Ein Injektorproblem kann beispielsweise:

  • mehr Ruß erzeugen;
  • schwarzen Rauch verursachen;
  • DPF-Beladung erhöhen;
  • EGR schneller verschmutzen;
  • Abgastemperaturen verändern.

Dadurch können langfristig auch die Betriebsbedingungen des Turboladers beeinflusst werden.

Deshalb sollte die Diagnose immer das Gesamtsystem betrachten:

Luft + Kraftstoff + Verbrennung + Abgas

Welche Rolle spielen AdBlue und SCR?

Das AdBlue-System erzeugt keinen Turboladedruck.

Trotzdem sollte eine allgemeine Abgas- oder Motorwarnung nicht automatisch dem Turbo zugeschrieben werden.

AdBlue arbeitet zusammen mit dem SCR-System zur NOx-Reduktion.

Wer eine AdBlue-Warnung oder SCR-Meldung erhält, sollte diesen Bereich separat diagnostizieren. Grundlagen dazu finden Sie in unserem Beitrag AdBlue im Diesel: Funktion und Bedeutung für das SCR-System.

Die wichtige Unterscheidung lautet:

Ladedruckfehler → Luft-/Turbo-System diagnostizieren

SCR-/NOx-Fehler → Abgasnachbehandlung diagnostizieren

Treten mehrere Fehler gleichzeitig auf, müssen beide Systeme betrachtet werden.

Warum hängen Turbo, EGR, DPF und Injektoren zusammen?

Bei modernen Dieselmotoren bildet sich eine technische Kette:

Injektoren

Verbrennung

Abgasmenge und Ruß

Turbo

EGR

DPF

SCR / NOx

Eine schlechte Verbrennung kann mehr Ruß erzeugen.

Mehr Ruß kann EGR und DPF belasten.

Ein stark belasteter DPF verändert den Abgasgegendruck.

Ein Ladedruckproblem wiederum kann zu Luftmangel führen und die Rußproduktion erhöhen.

Deshalb entstehen häufig mehrere Fehler gleichzeitig.

So sollte ein Turbo-Problem diagnostiziert werden

1. Fehlerspeicher vollständig auslesen

Nicht nur nach Turbo-Fehlercodes suchen.

Auch Fehler von:

  • EGR;
  • DPF;
  • Luftmassenmesser;
  • Drucksensor;
  • Injektoren;
  • Abgassystem

können wichtige Hinweise geben.

2. Ladedruck Soll und Ist vergleichen

Das ist einer der wichtigsten Diagnosewerte.

Unter Last sollte geprüft werden, ob der gemessene Ladedruck dem angeforderten Wert folgt.

3. Luftmasse kontrollieren

Ladedruck und Luftmasse gehören zusammen.

Unplausible Luftmassenwerte können auf:

  • EGR-Probleme;
  • Luftmassenmesser;
  • Undichtigkeiten;
  • Ansaugprobleme

hinweisen.

4. Ladeluftstrecke prüfen

Zu kontrollieren sind:

  • Schläuche;
  • Steckverbindungen;
  • Dichtungen;
  • Schellen;
  • Intercooler;
  • Ansaugrohre.

5. Turbo-Aktuator testen

Der Aktuator muss die Turboverstellung korrekt ansteuern.

6. Unterdrucksystem kontrollieren

Bei pneumatischen Systemen:

  • Unterdruckschläuche;
  • Magnetventil;
  • Unterdruckdose;
  • Unterdruckversorgung.

7. DPF-Daten ansehen

Wichtig sind:

  • Differenzdruck;
  • Rußbeladung;
  • Regenerationshistorie;
  • Abgastemperaturen.

8. EGR-Live-Daten prüfen

Sollwert und Istwert müssen plausibel zusammenpassen.

9. Injektoren kontrollieren

Korrekturwerte und Verbrennungsqualität helfen bei der Abgrenzung.

10. Erst danach den Turbolader ersetzen

Ein Turbotausch sollte das Ergebnis einer Diagnose sein.

Nicht deren Anfang.

Wann ist ein mechanischer Turboschaden wahrscheinlicher?

Ein echter mechanischer Schaden wird wahrscheinlicher, wenn mehrere Hinweise gleichzeitig auftreten.

Beispielsweise:

  • deutliches Wellen- oder Lagerspiel;
  • Verdichterrad beschädigt;
  • Gehäusekontakt;
  • starkes mechanisches Heulen;
  • hoher Ölverbrauch;
  • große Ölmengen im Ladeluftsystem;
  • sichtbare Beschädigung;
  • Turbo erreicht trotz dichter Luftstrecke und funktionierender Regelung keinen Druck.

Je mehr dieser Punkte bestätigt werden, desto stärker wird der Verdacht auf einen tatsächlichen Turboschaden.

Wann spricht mehr für ein Ladedruckleck?

Ein Leck ist wahrscheinlicher, wenn:

  • Turbo normal klingt;
  • Problem hauptsächlich unter Last auftritt;
  • deutliches Zischen vorhanden ist;
  • Ölspuren um Schlauchverbindungen sichtbar sind;
  • Schlauch oder Intercooler beschädigt ist;
  • Ladedruck Ist unter Soll bleibt;
  • Turbo-Aktuator korrekt arbeitet.

Eine Druck- oder Rauchprüfung der Ladeluftstrecke kann hier sehr hilfreich sein.

Darf man mit einem Turboproblem weiterfahren?

Das hängt von der Ursache ab.

Ein kleiner Ladeluftverlust stellt ein anderes Risiko dar als ein Turbo mit stark beschädigten Lagern.

Nicht weiterfahren beziehungsweise das Fahrzeug schnell prüfen lassen sollte man besonders bei:

  • starkem Ölverlust;
  • massiver Rauchentwicklung;
  • lautem mechanischem Schleifen;
  • stark steigendem Ölverbrauch;
  • ungewöhnlich großen Ölmengen im Ansaugsystem;
  • extremem Leistungsverlust.

Ein mechanisch beschädigter Turbolader kann Folgeschäden verursachen.

Turbo wechseln? Erst diese Frage beantworten

Bevor ein neuer Turbolader eingebaut wird, sollte eine Frage eindeutig beantwortet sein:

Kann der vorhandene Turbo den Druck nicht erzeugen – oder geht der erzeugte Druck irgendwo verloren?

Das ist ein großer Unterschied.

Szenario 1

Turbo defekt
→ Ladedruck wird nicht ausreichend erzeugt.

Szenario 2

Turbo intakt
→ Ladedruck wird erzeugt
→ Schlauch undicht
→ Druck geht verloren.

Szenario 3

Turbo intakt
→ Aktuator defekt
→ Turbo wird falsch angesteuert.

Szenario 4

Turbo intakt
→ DPF stark belastet
→ Motorleistung wird begrenzt.

Szenario 5

Turbo intakt
→ EGR arbeitet falsch
→ Luftmasse unplausibel.

Wer diese Szenarien sauber voneinander trennt, verhindert unnötige Reparaturen.

Fazit: Nicht jeder Leistungsverlust bedeutet Turboschaden

Typische Turbo-Symptome sind:

Leistungsverlust, schwarzer Rauch, Notlauf, ungewöhnliche Geräusche, Ladedruckabweichung und erhöhter Ölverbrauch.

Doch diese Symptome reichen allein nicht aus, um den Turbolader als Ursache festzulegen.

Der sinnvollere Diagnoseweg lautet:

Fehlercodes

Live-Daten

Ladedruck Soll / Ist

Ladeluftstrecke

Turbo-Aktuator

EGR / DPF / Injektoren

Turbolader beurteilen

So lässt sich unterscheiden, ob tatsächlich der Turbo beschädigt ist oder lediglich ein Problem im Ladedrucksystem vorliegt.

Turbo- & Ladedruck-Serie auf InjektorHero.de

Teil 1 – Sie sind hier

Turbolader defekt oder Ladedruckproblem? Symptome beim Diesel richtig erkennen

Nächster Teil

Ladedruck zu niedrig: P0299, Leistungsverlust und mögliche Ursachen

Im zweiten Teil erklären wir ausführlich:

  • was P0299 bedeutet;
  • warum der Ladedruck zu niedrig sein kann;
  • welche Live-Daten wichtig sind;
  • wie man Ladeluftlecks erkennt;
  • wann tatsächlich der Turbolader verdächtig wird.

Vorherige Serie – EGR

EGR-Ventil deaktivieren: Folgen, Risiken und Legalität beim Diesel

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